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Agentenfreundliche Architektur ist menschenfreundliche Architektur

Ein Agent braucht Kontext, um an einer Codebasis zu arbeiten—und zwar den richtigen Ausschnitt. Gibt man ihm zu viel, füllt sich das Kontextfenster: Die Aufmerksamkeit hängt an dem, was zufällig zuerst und zuletzt eingelesen wurde, alles dazwischen verwässert, und mit jeder weiteren Datei steigen die Kosten, während die Qualität sinkt. Mehr Spielraum heißt außerdem mehr Gelegenheit, in die Irre zu laufen.

Für das Finden dieses Ausschnitts hat die Informatik seit langem Antworten. Prinzipien wie Modularität, Information Hiding, Separation of Concerns und lose Kopplung bei hoher Kohäsion sind seit den 60er- und 70er-Jahren definiert. Sie machen aus einer großen, vollständigen Codebasis eine Menge kleiner, in sich geschlossener Module. Ein Modul im Sinne von Parnas zieht eine Linie um eine Entscheidung und hält deren Folgen darin: den Geltungsbereich, die Verantwortung, die Reichweite einer Änderung, das gültige Vokabular, die Stelle, an der ein Begriff etwas anderes bedeutet. Dieselbe Linie hält die kognitive Last menschlicher Entwickler beherrschbar. Fehlt sie, müssen beide Leser raten, und raten führt zu schlecht passender Software.

Daher die Hypothese dieses Vortrags: Die Architektur, die eine Codebasis für einen Agenten lesbar macht, ist dieselbe, die sie immer schon für Menschen lesbar gemacht hat. Ein neuer Leser für eine alte Idee—und die alten Leser sind immer noch da. Der Vortrag schließt mit konkreten Maßnahmen, mit denen man dem Agenten sagt, wie die Architektur sein *soll*, und ihn so leitet.

Henning Schwentner

Coder, Coach, Consultant bei der WPS – Workplace Solutions

Hamburg, Germany

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